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Als Kind blätterte ich voller Faszination durch den Bertelsmann Hausatlas meiner Eltern. Borneo, wie exotisch, und die Insel daneben, wie ein paar Finger, das musste wohl der abgelegenste Ort der Welt sein, dort, wo man nie hinreisen würde. Celebes, so hieß im Atlas die Insel noch. Heute Sulawesi, und ich war schon dreimal dort.


Sulawesi ist für mich die vielseitigste und interessanteste Insel Indonesiens. Bei Manado im Norden liegen mit die schönsten Tauchplätze des Indopazifik, und der Süden wartet mit einer beeindruckenden Landschaft und dem exotischen Tana Toraja (also: Land der Toraja) auf, in dem der animistische Glaube, zeremonielle Begräbnisse und Währung in Wasserbüffeln noch heute im Zentrum der Kultur stehen. Sulawesi ist definitiv eine Reise wert!

Tana Toraja - das exotische Land der Toraja

Fazit: Tana Toraja - ein faszinierendes Land! Ein Must-See!

Ein Reisender im Hotel am Fuße des Kelimutu in Flores erzählte beim Abendessen im Kerzenlicht (Strom war ausgefallen) von den seltsamen Sitten und Gebräuchen der Toraja in Sulawesi. Ein Jahr später, 2008, buchte ich die Reise bei Sunda Trails und setzte mich in den Flieger nach Ujung Padang (Makassar).

Führer Taqwa und Fahrer Pandu holten mich am Flughafen ab, und los ging´s. Anderthalb Tage brauchten wir bis Rantepao, der Hauptstadt des Tana Toraja. Wir legten noch eine Kanufahrt durch Kalksteinfelsen bei Maros als Zwischen-stopp ein.

Dort wurde ich im Haus eines Fischzüchters bewirtet - die Männer sitzen auf der großen Ve-randa, die Frauen im Inneren des Hauses. Das Haus ist das Reich der Frau, da ist sie die Herrin, also bleiben die Männer schön vor der Tür und lassen sich dort bedienen. Ich bekam ein leckeres Mahl und sah mir die Küche an, in der die Dame des Hauses kocht.

Taqwa führte mich weiter zu einer Höhle in einem Kalksteinfelsen, in dem prähistorische Menschen Handabdrücke hinterlassen hatten.

Maros Sulawesi copyright Steffi Habermeier Maros Sulawesi Reich der Frau copyright Steffi Habermeier Prähistorischer Handabdruck Maros Sulawesi copyright Steffi Habermeier Maros Sulawesi copyright Steffi Habermeier

Durch den Cockpit-Karst ging´s per Kanu zurück zur Straße.

Maros Sulawesi copyright Steffi Habermeier Maros Sulawesi copyright Steffi Habermeier Maros Sulawesi Cockpit Karst copyright Steffi Habermeier

Auf der weiteren Reise fuhren wir an viel Trockenfisch vorbei. Fisch gab´s viel zu essen, aufgekochter Trockenfisch oder frischer Fisch, in den Warungs am Straßenrand.

Tana Toraja copyright Steffi Habermeier

Am nächsten Tag erreichten wir das Toraja-Land.


In Makale nahm mich Taqwa auf den Markt mit.

Tana Toraja Sulawesi Makale copyright Steffi Habermeier Tana Toraja Sulawesi Makale copyright Steffi Habermeier

In Rantepao, dem Herzen des Tana Toraja, war alles ein Abenteuer - ich war die einzige alleinreisende Frau, was Taqwa und Pandu sicher viel Spott bei den anderen Touristenführern einbrachte, aber auf mich gingen die Frauen bei unseren Ausflügen zu; sie hatten keine Angst vor mir, waren neugierig auf mich, und ich hatte das Gefühl, einen wertvollen Teil Sulawesis ganz neu zu entdecken. Sogar Taqwa, der als Übersetzer herhalten musste, war erstaunt, was er von den Frauen alles über die Sitten der Toraja erfahren konnte, was er vorher (von Männern) nie gehört hatte - zum Beispiel, dass auch verheiratete Frauen über eigenen Besitz verfügen dürfen.


Touristen waren damals, 2008, noch sehr rar dort. Wir wanderten von in Fels gemeißelten Begräbnisstätten zu den Höfen und Häusern der Toraja, Tongonkan genannt, deren Architektur immer noch die Schiffsform hatte, die ihre chinesischen Vorfahren von der Küste mitgebracht hatten.


Der schönste Toraja-Hof mit Tongonkans war eindeutig Ke’te Kesu.

Tana Toraja Ke´te Kesu Kete Kesu Rantepao copyright Steffi Habermeier Tana Toraja Ke´te Kesu Kete Kesu Rantepao copyright Steffi Habermeier Tana Toraja Ke´te Kesu Rantepao copyright Steffi Habermeier Tana Toraja Ke´te Kesu Rantepao copyright Steffi Habermeier

Die Bevölkerung in Tana Toraja ist animistischen Glaubens, d.h. sie glaubt an die Geister der Ah-nen. Das Christentum hat sich tolerant hin-zugesellt, belässt die heidnischen Rituale und hält das Kreuz daneben. So bekommt man bei den Toraja das Hängebauchschwein als eine sehr leckere Speise vorgesetzt, im Gegensatz zu moslemischen Teilen der Insel. In Ke’te Kesu gab es sogar einen alten Sarg in Form eines Schweins.

Tana Toraja Ke´te Kesu Kete Kesu Rantepao copyright Steffi Habermeier

Wesentlicher Bestandteil des Animismus ist ein höchst ausgeklügeltes Begräbnisritual für den Adel. Bei den Beisetzungen müssen Wasserbüffel geopfert werden - je höher das Ansehen des Verstorbenen, desto mehr Wasserbüffel. Interessanterweise dürfen die Nachbarn die Anzahl der Wasserbüffel festlegen. Bei der Beerdigung eines angesehenen Mannes können fünf bis einhundert Wasserbüffel geopfert werden. Die Kosten eines Wasserbüffels liegen bei ca. 2000 Euro (!!!). Ich hab mehrfach nachgefragt, weil ich´s nicht glauben konnte; auf dem Markt in Rantepao kaufte ich ein paar Bananen, und das Mädchen konnte auf meinen 10000-Rupien-Schein (etwas über 1 Euro) nicht rausgeben. Auf dem Viehmarkt in Rantepao werden Wasserbüffel gehandelt - ich fragte Taqwa, wie bezahlt würde, und er konnte sich auch nicht vorstellen, dass jemand 20 Millionen Rupien in bar aus der Hosentasche zieht… So verschulden sich die Angehörigen des Verstorbenen bei Nachbarn und Freunden in Wasserbüffeln - du bekommst jetzt meinen Wasserbüffel, dafür bekomme ich später bei einem Begräbnis in meiner Familie deinen Wasserbüffel. Eine Währung auf Basis von Wasserbüffeln!

Tana Toraja Rantepao copyright Steffi Habermeier Tana Toraja Rantepao copyright Steffi Habermeier

Apropos Wasserbüffel - es werden nur Wasserbüffelstiere geopfert. Bis zu ihrem Ende haben die Stiere aber ein unglaubliches Leben. Sie haben einen eigenen Hirten, der sie täglich betreut, sie zu Schlammlöchern tagsüber führt, sie im Fluss wäscht, sie abends in den Stall zurückbringt. Wenn ein Wasserbüffel auch noch Weiß im Fell hat, dann ist er noch mehr wert. Wasserbüffelkühe hab ich allerdings während meiner ganzen Reise durchs Torajaland nicht ein einziges Mal gesehen - Büffelmozzarella ist hier offensichtlich noch kein Geschäftszweig!

Tana Toraja Rantepao copyright Steffi Habermeier Tana Toraja Rantepao copyright Steffi Habermeier

Die Begräbnisse sind Mega-Veranstaltungen. Hunderte Verwandte, Nachbarn und Freunde reisen da-für an. Monate vorher kommen Bautrupps und stampfen eine Kleinstadt aus dem Boden. Unterkünfte aus Bambus entstehen, Tongonkans, Zeremonialplätze, Essplattformen, Küchen etc. Nach den Feierlichkeiten wird die gesamte Kleinstadt entweder abgerissen, oder man lässt sie verfallen.


k mit, die Büffel werden z.T. an die Gäste versteigert. Und dennoch - die Angehörigen zahlen enorm viel für die Beerdigung, aber das Ansehen und das Wohlwollen der Ahnen gebietet es, dass dieser Aufwand betrieben wird.

Tana Toraja Sulawesi Rantepao copyright Steffi Habermeier Tana Toraja Rantepao copyright Steffi Habermeier Tana Toraja Sulawesi Rantepao copyright Steffi Habermeier Tana Toraja Sulawesi Rantepao copyright Steffi Habermeier Tana Toraja Sulawesi Rantepao copyright Steffi Habermeier Tana Toraja Sulawesi Rantepao copyright Steffi Habermeier Tana Toraja Sulawesi Rantepao copyright Steffi Habermeier

Die Verstorbenen liegen oft viele Jahre in den Tongonkans der Tana Toraja in einem separaten Raum, von dem aus sie am Leben ihrer Hinterbliebenen teilhaben, z.B. werden ihnen auch Speisen serviert. Manchmal ist die Anzahl der von den Nachbarn eingeforderten Wasserbüffel so hoch, dass der Verstorbene lange Jahre warten muss, vielleicht sogar für immer, bis er beerdigt wird. Gegen Kauf eines Souvenirs oder einer Spende kann der Verstorbene von Touristen jedoch besucht werden. In eine Decke eingenäht liegt er in seinem eigenen Teil des Tongonkans.

Begraben wird der Adel in Felsengräbern, manchmal auch in Höhlengräbern, die Knochen werden aufbewahrt, die Schädel aufgetürmt. An den Felsen hört man die Arbeiter mit Hammer und Meißel in den Stein schlagen, der Junge unten am Feuer schärft unablässig die Werkzeuge. Vor den Grabkammern sind Balkone angebracht, und von dem Verstorbenen wird eine lebensgroße Puppe angefertigt, eine Tau-Tau-Puppe, die hinaus sieht auf sein Land und dem Land dadurch Schutz und Glück bringt.

Tana Toraja Felsengrab Suaya copyright Steffi Habermeier Sulawesi Tana Toraja Felsengrab Tampangallo copyright Steffi Habermeier Sulawesi Tana Toraja Felsengrab Tampangallo copyright Steffi Habermeier Sulawesi Tana Toraja Tau-Tau Marante copyright Steffi Habermeier Tana Toraja Felsengrab Lemo copyright Steffi Habermeier Sulawesi Tana Toraja Ke´te Kesu copyright Steffi Habermeier Tana Toraja Sulawesi Rantepao Babygrab copyright Steffi Habermeier

Babies werden in Baumhöhlen bestattet.


Menhire befinden sich in der Nähe mancher Grabstätten, die Hin-terbliebenen erbitten dort den Schutz ihrer Ahnen und halten Zeremonien ab.

Die Männer auf der Veranda…

…das Reich der Frau

Prähistorisch: Handabdruck eines Urmenschen

Mit Taqwa durch den Cockpit-Karst

Ke’te Kesu

Viehmarkt in Rantepao

Abtransport eines Hängebauchschweins

Zeremonialstadt im Rohbau

Baustoff Bambus

Aufbahrung des Verstorbenen…

Mädchen in Zeremonialtracht

Bewirtung der Gäste

Opferung eines Büffels

Leichenschmaus mit Büffelköpfen

Der Verstorbene, eingenäht in eine Decke

Felsengräber in Suaya

Felsengräber von Lemo

Höhlengräber von Tampangallo

Tau-Tau-Puppen von Tampangallo

Kolonial bekleidete Tau-Tau-Puppen in Marante

Zigaretten als Opfergabe in Ke’te Kesu

Reisfelder über Rantepao

Lembeh